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Wann hast du aufgehört, neugierig zu sein?

Meine Neugier war rund zehn Jahre betäubt.
Weisser Tesla Roadster fährt in den Sonnenuntergang Sonnenaufgang

Heute baue ich Solar Ports aus Holz und helfe Unternehmen, ihre Lösungen zu den Menschen zu bringen, die sie brauchen. Der Weg dahin führte über einen weissen Tesla Roadster, elektrisch umgebaute Sportwagen, eine Firma, die um die Ohren flog, und die Erkenntnis, dass niemand etwas kauft, nur weil es vernünftig ist.

Samuel Schneider im elektrisch umgebauten Porsche 911 (964) von Leiser Electric.

Wie sieht die Zukunft aus, auf die wir uns freuen?

"Nicht wie Verzicht. Wie eine Aufwertung. Ich entwickle und baue Lösungen, die den Alltag besser machen. Nachhaltig sind sie nebenbei."

Acht Kapitel. Vom Kinderzimmer über zwei Firmen bis auf den Parkplatz.

Träume der Kindheit

Kinderzimmer voll mit Modellautos und Technik. Dabei ging es nie ums Auto.

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Ein Ferrari ist für ein Kind kein Fahrzeug.

Der Beweis, dass jemand eine Maschine gebaut hat, die man haben will und die uns inspiriert. Technik mit Seele. Die Frage, die mich bis heute bewegt: Warum will man das eine unbedingt und das andere nicht, obwohl beides fährt?

Wegen dem Datenblatt? Kaum. Ich war bei der Verbindung zwischen Maschine und Mensch. Dass ich heute beruflich daran arbeite, war kein Plan. Es ist der rote Faden bis heute.

Vom Unerreichbaren
zum Erreichbaren.

Ab der sechsten Klasse wurde der Traum präziser. Und damit planbar. Das war das Problem.

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Der Ferrari war unerreichbar, der Porsche nicht.

Weniger Theater, mehr Präzision, alltagstauglich. In den Herbstferien der siebten Klasse wusch ich zwei Wochen lang Autos bei der AMAG in Biel. Zum anschliessenden Geburtstag ermöglichte mir mein Vater, in einem 996 Targa mitzufahren. Meine erste Porsche-Fahrt. Solche Autos gab es in meiner Gegend nicht oft.

Danach ein klarer Weg zum Porsche: Gymnasium, Betriebswirtschaft, Manager werden, irgendwann der eigene 911. Im Rückspiegel war genau diese Erreichbarkeit das Verhängnis. Die Maranello-Neugier wich der schwäbischen Planung. Am Herzen und Unerreichbaren vorbei.

Es folgten Jahre, in denen ich funktionierte. Fremd im ideologiegeladenen Gymnasium, danach der Militärdienst. Dann der Bachelor als kalkuliertes Pflichtprogramm, daneben Praktika in Treasury und Finance. Im Wahlfach Physik war ich deutlich besser als im Rest. Das hätte mir zu denken geben sollen.

Weisser Roadster
als Weckruf.

Einzige Bewerbung: Porsche Schweiz. Traf. Und dann kam etwas dazwischen, das ich nicht geplant hatte.

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Praktikum bei Porsche Schweiz, danach Teilzeit im Showroom.

Als Car Explainer am Autosalon Genf hatte ich mehr Begeisterung als im gesamten Studium zusammen. Danach parallel Master in St. Gallen und Controlling in der Industrie. Alles nach Plan.

Mit dem unterschriebenen Controller-Vertrag kaufte ich direkt einen weissen Tesla Roadster. Der elektrische Urknall auf Kredit. Meine Zeitmaschine. Jede Fahrt, jedes Prototypen-Problemchen, jeder Ladevorgang hat die kindliche Neugier ein Stück weit zurückgebracht.

Nicht weil er nachhaltig war. Weil ich ihn wollte.
Und weil Elon Musk aus Clean Tech ein Bild einer inspirierenden Zukunft malte.

Beratung, AMAG
und ein 911er.

Unternehmensberatung, Controlling-Projekte, kluge Leute. Und die Einsicht, dass Planbarkeit und Passion zwei verschiedene Dinge sind.

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Nach dem Master direkt in die Unternehmensberatung.

Controlling- und SAP-Projekte bei Horváth, umgeben von klugen, hochmotivierten Leuten. Dort habe ich von den Besten das Berater-Handwerk gelernt: strukturiert an ein Problem herangehen, Stakeholder abholen, souveränes Auftreten. Wer die Sprachen von Kunde, Management und Technologie spricht, kommt weiter als der beste Fachspezialist.

Und ich habe etwas anderes gelernt, das nicht im Handbuch steht. Diese Projekte waren weit weg von dem, wofür ich eigentlich innerlich brannte und was ich über Jahre betäubt hatte. Dort habe ich gemerkt: Ohne Leidenschaft reicht das beste Handwerk nicht.

Ein Langzeitprojekt führte mich zur AMAG. Ins Controlling. Aber vor dem Eingang stand mein Roadster an der Ladesäule, und aus dem wurden Gespräche mit dem Management. Über Elektromobilität, Technologie, und darüber, wie man Menschen dafür begeistert. Die Passion eben.

Der logische Doppelschritt: Wechsel zur AMAG, um der Gruppe die elektrische Sprache beizubringen. Ladelösungen, Infrastruktur, Geschäftsmodell, Mindset der Organisation, Vertrieb. Über tausend Verkäufer trainiert. Die Botschaft war nicht Nachhaltigkeit müssen, sondern Habenwollen.

Und parallel die Idee: den elektrischen 911, den Porsche nicht bauen wollte, einfach selbst zu bauen. Also gründete ich mit Robin, dem wohl buntesten Vogel der Elektromobilität, Leiser Electric und entwickelte den ersten Prototypen. Ein 911er, der alles mindestens so gut kann wie das Original aus Stuttgart. Nur elektrisch.

All-In.

Ich verliess die AMAG und setzte mein ganzes Geld auf Leiser. Innerhalb weniger Monate drehte der Wind, es war vorbei.

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Es lief.

Den Hochmut vom Konzern im Gepäck. Die richtige Zielgruppe war interessiert, die perfekten Partner für die Zielmärkte standen, vor allem in UK. In der Werkstatt und in den Gesprächen mit Kunden, Lieferanten, möglichen Investoren und Partnern kam zum ersten Mal alles zusammen: kindliche Neugier, betriebswirtschaftliches Handwerk und Interesse an inspirierenden Menschen.

Dann drei Dinge fast gleichzeitig. Auf nur eine Finanzierungszusage gebaut. Pipeline weggebrochen. Momentum für einen Trend gehalten: Der Taycan verlor massiv an Wert und Interesse, und damit war für die Käuferschicht besonderer Sportwagen bewiesen, dass elektrische Sportwagen keine Geldanlage sind. Der Business Case stand auf dem Kopf. Der realistische Markt nur noch für ein Hobby gut.

Das war die teuerste Lektion meines Lebens. Und die Nützlichste.

Bilder von Anlagen,
die keiner wollte.

Danach Kommunikation für erneuerbare Energien. Alpine Solarprojekte, AgriPV, Wind, Investoren-Hochmut. Und überall dasselbe Muster.

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Ich hatte mir über Jahre etwas beigebracht, das plötzlich gefragt war.

3D-Konstruktion und fotorealistische Visualisierung, mit einem eigenen Prozess. Für komplett individualisierte Sportwagen gedacht. Adaptiert für grosse Solaranlagen, die sich in Landschaft und Umgebung einfügen.

Die Bilder waren gut. Die Projekte klangen gut. Die Menschen wollten sie nicht.

Der gemeinsame Nenner: Generell gute Sache, aber warum soll das genau bei uns stehen? Das ist keine Frage von Technik und Überzeugungsarbeit. Die ehrliche Realität bei privaten Entscheiden. Wer eine Anlage vor der Haustür hat, sieht sie jeden Tag. Wer nichts davon hat, sieht nur zu, wie andere profitieren.

Du kannst Menschen nicht ändern, du musst etwas bauen, das sie haben wollen. Lebensräume aufwerten statt Grünflächen entwerten. Bürger vor Ort ehrlich beteiligen statt Gelder abziehen. Wird es zum Projekt der Menschen vor Ort, werden Zuschauer zu Beteiligten.

Da war er wieder, der Gedanke von Leiser, den die Erneuerbaren-Branche in ihrer Bubble verdrängt: Bau Lösungen, die so gut sind, dass die Menschen sie haben wollen. Und die nebenbei nachhaltiger sind. Nicht umgekehrt.

Der Ort, an dem
alles zusammenkommt.

Parkflächen. Bereits versiegelt, bereits genutzt, niemandem im Weg.

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Ein Parkplatz mit Solardach nimmt niemandem eine grüne Wiese weg.

Er wertet eine Fläche auf, die sowieso schon genutzt wird. Schatten und Wetterschutz für die Besucher, Strom vom eigenen Dach, Ladeinfrastruktur da, wo die Autos stehen.

Und dann wird es symbiotisch: Die Ladepunkte sind die Verbraucher, die den Business Case boosten. Batteriespeicher stärken die Einnahmen und senken die Anschlusskosten. Tiefere Energiekosten ermöglichen attraktivere Ladepreise. Später kommen die Batterien der geparkten Fahrzeuge dazu.

Eine Anlage, die den Lebensraum aufwertet, sich selbst finanziert und nebenbei nachhaltiger ist. Aus Holz, weil es schöner ist. Hier kommt alles zusammen, was ich gelernt habe, nur mit Parkplätzen statt Sportwagen.

Anders denken?
Kein Marketing-Satz.

Ich höre dem Lärm nicht mehr zu. Das macht einiges schwerer und vieles klarer.

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Dorfkind, neugierig, immer etwas anders.

Wenn ich etwas wissen will, gehe ich der Sache selbst auf den Grund, statt der Deutung anderer zu glauben. Das kostet Zeit, die mir im Gegenzug die Aufregung über Dinge erspart, die anders erzählt werden, als sie sind.

In Energie und Mobilität wird viel in gut und böse geteilt. Verbrenner gegen Elektro, Erneuerbare gegen Fossile, die Guten gegen die Bösen. Wer laut genug ist, bestimmt, was als Meinung gilt. Nur: Kaufentscheide sind privat. Und privat entscheiden Menschen anders, als sie es öffentlich sagen.

Man baut sich ein Bild seiner Zielgruppe aus zweiter Hand und Gegner, mit denen man nie gesprochen hat. Ich habe selbst schöne Bilder für Projekte gemacht, die an den Menschen vorbeigeplant waren. Seither frage ich lieber selbst.

Deshalb mache ich auch meine Kommunikation selbst. Jeder Post ist ein Experiment: Funktioniert dieser Zugang, dieses Symptom, diese Frage, dieses Bild, diese Länge? Die meisten kommunizieren von innen nach aussen, über Leistung, Wirkungsgrad und Datenblatt. Ich fange bei den im Alltag erlebbaren Symptomen an.

First Principles und ehrliches Interesse an Menschen.
Eckt an. Meist bei denen, mit denen ich ohnehin nicht arbeiten könnte.


Kein Theoretiker.

WIE SICH ALLES ZUSAMMENSETZT.
Seit 2018 arbeite ich an denselben Fragen. Erst an Ladelösungen. Dann am elektrischen Sportwagen und Batterien. Dann an Solaranlagen. Heute an Parkflächen, auf denen alles zusammenkommt. Immer integriert, von A bis Z: Idee, Entwicklung, Solar, Speicher, Ladeinfrastruktur, Kommunikation, Vertrieb. Immer selbst gemacht, mit eigenem Risiko und ein paar teuren Irrtümern.

Deshalb denke ich integriert. Weil ich an jeder Stelle schon mal falsch abgebogen bin.

Der Engpass ist nie die Technologie. Es ist der Mensch, der entscheidet. Und der entscheidet nicht nach Datenblatt.

Business Case und Bauchgefühl gehören zusammen. Die Rechnung muss aufgehen, und der Mensch vor Ort braucht einen Grund, es zu wollen. Wer nur eines liefert, verliert.

Nachhaltig reicht nicht. Es muss besser sein. Sonst kauft es niemand, und dann hilft es auch dem Klima nicht.


Und heute?

Wenn du eine starke Lösung hast und die Menschen damit nicht erreichst, kennst du das Problem, an dem ich arbeite.

Die Brücke zwischen Technologie und Mensch. Von der Seite, die selbst gebaut hat.

Wenn du ein Projekt verantwortest, das mehr Aufmerksamkeit verdient, als es bekommt: Reden wir.