
Der gemeinsame Nenner sichtbarer Energieprojekte in Gemeinden. Eine Windturbine am Waldrand. Eine grosse Solaranlage auf dem Parkplatz. Der Reflex: Skepsis. Der Wald ist schöner ohne Windrad. Und verdient sich da nicht bloss irgendein Investor von auswärts eine goldene Nase, während wir auf die Anlage schauen müssen?
Verständlich. Und es ist der wahre Grund, warum Projekte scheitern. Der Mensch, der das Gefühl hat, übergangen zu werden.
Die alten, grossen, zentralen Kraftwerke standen vielleicht in deiner Region, aber sie gehörten einem Versorger. Irgendjemandem von ausserhalb. Du hast den Kühlturm gesehen, den Strom bezahlt, und das Geld floss ab. Du warst nur Zuschauer.
Ein AKW kann nicht den Menschen vor Ort gehören. Es ist zu gross, zu teuer, zu komplex. Ein Windpark oder eine Solaranlage? Kann den Menschen vor Ort gehören. Klein, günstiger und einfacher.
Besonders wertvoll für die Gemeinde: grössere Windanlagen und Solaranlagen, die bestehende Flächen aufwerten. Diese Kraftwerke sind teilbar. Man kann sie in Anteile zerlegen. Und damit ist eine Rolle geboren, die es vorher nicht gab. Nicht zuschauen. Besitzen.
Als Besitzer der Anlage siehst du sie mit anderen Augen. Es ist jetzt deine Anlage, dein Beitrag und dein Ertrag.
Aus dem fremden Windrad wird dein Windrad. Aus der Skepsis wird Stolz. Aus dem Widerstand wird Beteiligung. Deine Beziehung zur Anlage hat sich verändert. Das Projekt, das die Menschen vor Ort wollen.
Das passt zur Schweiz wie kaum etwas anderes. Direkte Demokratie, Mitbestimmung, Föderalismus. Hier ist der Bürger der Chef, nicht der Politiker oder Versorger. Warum sollte das bei der Energieversorgung anders sein? Die Energiewende ist eine Robin-Hood-Geschichte: Die Wertschöpfung wandert von den anonymen Grossen zurück zu den Menschen vor Ort. Energiewende für die Menschen in den Regionen.
Windenergie Schweiz baut Bürgerwindparks. Das Prinzip ist einfach und radikal zugleich: Bis zu 74,9 Prozent der Anteile werden lokal angeboten. An Einwohner der Standortgemeinden, an die Gemeinde selbst, an lokale Firmen. Der Projektentwickler behält den Rest und die Betriebsführung, trägt aber das Entwicklungsrisiko allein. Bürger und Gemeinde steigen erst dann ein, wenn die Klarheit über Umsetzung und Kosten da ist.
Die Rendite bleibt grösstenteils in der Region. Über Dividenden, Steuern, lokale Partner. Fünf Prozent der Stromvergütung gehen an alle Landeigentümer im Projektgebiet, nicht nur an den einen, auf dessen Parzelle die Turbine steht. Und aus dem Betrieb fliesst jedes Jahr ein fixer Betrag in eine Stiftung, die lokale Projekte finanziert. Spielplätze, Begegnungszonen. Worüber, entscheidet die Gemeinde.
Bei der Solaranlage gibt es zwei Stufen.
Die erste kennt man schon. Solarify macht es möglich, in Solarpanels zu investieren, ohne ein eigenes Dach zu besitzen. Die Module gehören dir, stehen auf einem Schweizer Grossdach, produzieren realen Strom, werfen alle drei Monate Ertrag ab. Aber der Standort ist austauschbar. Ein Dach ist halt einfach ein Dach.
Der Solar Port ist etwas anderes. Er steht auf dem grossen öffentlichen Parkplatz in der Gemeinde, den er sichtbar aufwertet. Wetterschutz, Ladepunkte, schöneres Besuchererlebnis. Weil er sichtbar in der Gemeinde steht, lässt sich hier dasselbe tun wie beim Windpark: Zuerst haben die Bürger der Gemeinde die Chance, zu investieren. Erst danach der Rest der Schweiz. Genau diesen Weg bereiten wir gerade in mehreren Gemeinden vor.
Der Parkplatz produziert Strom, von dem alle mitverdienen können. Und die Gemeinde selbst muss dafür kaum investieren.
Der Typ Überzeugung: Kann im Crowd Finance Modell zur grossen Sache beitragen. Sein Geld soll dort arbeiten, wo es am meisten bewirkt für die Energiewende. Dafür ist das Dach irgendwo in der Schweiz genau richtig.
Der Typ Verbundenheit: Kann das Kraftwerk besitzen, das er jeden Tag im Ort sieht. Das Windrad am Hügel, den Solar Port auf dem Parkplatz. Sein Geld soll dort bleiben, wo er lebt. Der Standort der Anlage steht im Vordergrund.
Vor dieser Evolution im Kraftwerkseigentum sollten die Menschen Kraftwerke in der Region einfach dulden. Neu arbeitet die Anlage für die Menschen, bei denen sie steht. Die Beziehung hat sich gedreht.
Der Faktor, der über dein Energieprojekt entscheidet, ist nicht die Kilowattstunde. Es ist der Mensch vor Ort mit seiner Stimme.
Ein Projekt, das den Bürgern nur zum Ansehen hingestellt wird, muss überzeugen.
Ein Projekt, das den Bürgern auch gehört, macht es zu ihrem Projekt.
Und das Beste daran: Die Gemeinde trägt kein grosses Risiko und muss kaum eigenes Geld in die Hand nehmen. Die Anlage wertet den Standort auf, die Wertschöpfung bleibt vor Ort, und sie verbindet die Menschen.
Besitzen ist krasser als sehen. Wer das verstanden hat, baut Energieprojekte mit der Bevölkerung, nicht gegen sie.
Samuel Schneider denkt und baut an der Schnittstelle von Energie, Mobilität und Kommunikation. Solar Ports aus Holz, Consulting für Energie und Automobil, Magazin für das, was er sieht und nicht für sich behalten kann.