
Meinisberg, Orpund, Safnern und Scheuren erarbeiten Klimastrategien und haben die Bevölkerung um Ideen gebeten. Ich habe acht eingereicht.
Jede davon habe ich vorher öffentlich zur Diskussion gestellt. So können die Menschen ihre Sicht zu den Ideen teilen und mit Einreichung werden die Ideen zu den Ideen der Gemeinden, nicht meinen.
In jeder Gemeinde liegen Flächen, deren Potential niemand sieht. Ein Pausenplatz, ein grosser Parkplatz, der Strassenrand, der Weg zur Aare oder der Schulweg. Versiegelt oder ohnehin genutzt, meistens im Besitz der Gemeinde und den ganzen Tag in der Sonne, ohne produktiv zu sein.
Gleichzeitig suchen die Gemeinden nach Dächern. Der Aktionsplan der Stadt Biel prüft systematisch, ob sich Gebäude für Photovoltaik eignen. Gebäude.
Die grössten kommunalen Flächen sind aber keine Dächer.
Keine braucht neues Land. Jede wertet bestehende Flächen für uns Menschen auf mit einem Wetterschutz, der nebenbei Kraftwerk ist.
Keine braucht zwingend Geld aus der Gemeindekasse. Stimmt der Eigenverbrauch, übernimmt ein Betreiber Planung, Bau, Finanzierung und Betrieb. Wo bereits eine Dachanlage ist, kann deren Ablösung sogar Geld zurückbringen.
Kein leeres Versprechen. Ein etabliertes Modell mit einer Bedingung: Es braucht Abnehmer für den Strom in der Nähe. Ohne sie rechnet sich nichts davon, egal wie schön die Visualisierung aussieht. Wie das sichtbare Kraftwerk den Menschen vor Ort gehören kann.

Der Fussballplatz. Ein Dach entlang des Spielfeldrands, rund 260 kWp je Spielfeldseite. Nebenan die Kläranlage, die mehr Strom braucht, als das Dach liefert. Der ideale Fall, in dem der perfekte Abnehmer gleich nebenan ist. Zum Post

Der Werkhof-Parkplatz. Ein Dach über dem Parkplatz, rund 200 kWp. Das Gewerbegebiet nebenan verbraucht die rund 200'000 Kilowattstunden. Zum Post

Der Radweg beim Aarebeizli. Steht für eine Vielzahl von geeigneten Wegen in den Gemeinden. 150 Meter lang, liefert die Überdachung fast 250'000 Kilowattstunden im Jahr. Das angrenzende Gewerbegebiet und die Beiz können sie verbrauchen. Zum Post

Der Ballfangzaun vom Fussballplatz. Die offenste Frage der Serie: Hält ein Solarmodul einen Fussball aus? Hält es, ist es eine der naheliegendsten Einsätze für Solar. Der Solarzaun hält die Bälle auf und liefert Energie. Zum Post

Der Pausenplatz vom Schulhaus. Zusammen mit dem Solarzaun ist die Überdachung für die Schüler allein zu klein. Zusammen mit der Anlage auf dem Schulhausdach ist es gross genug für einen Betreiber. Bleibt die Frage nach den umliegenden Verbrauchern. Noch in den Neunzigern zählte Grenchen acht Tage über 30 Grad. Dieses Jahr 53. Der Platz wurde noch für ein anderes Klima gebaut, das es nicht mehr gibt. Zum Post

Die Landstrasse. Zaun am Strassenrand in Abschnitten. Sicht-, Lärm- und Müllschutz für die Felder. Der Fischerweg in Safnern liefert so rund 330'000 Kilowattstunden. An beiden Enden der Strasse sind die Verbraucher. Besonders die Kläranlage. Zum Post

Die Wiese am Hang. Gut 200'000 winteroptimierte Kilowattstunden im Jahr, um das Quartier dahinter mit 40 Häusern auf dem Safnern Berg zu versorgen. Zum Post

Der Fahrrad-Express zum Oberstufenzentrum. Dreieinhalb Kilometer überdachter Radweg von Meinisberg über Safnern nach Orpund. Über 7 Gigawattstunden von einem Schulweg, auf dem Kinder nicht neben Lastwagen fahren. Zum Post
Das Feedback zu den Ideen ging weit auseinander.
Beim Fussballplatz war es eindeutig. Zustimmung fast ohne Gegenstimme. Ein Dach über dem Spielfeldrand nimmt niemandem etwas weg und gibt dem Verein etwas, das sonst keine Gemeinde bezahlt.
Der Radweg beim Aarebeizli wurde am meisten diskutiert. Die Mehrheit fand ihn gut. Aber es kamen auch klare Gegenstimmen: Verschandelung im Naherholungsgebiet. Zuerst bitte alle Dächer decken, dann weitermachen.
Typischer Einwand, bekannt aus anderen sichtbaren Anlagen. Also auch berechtigt, er verdient eine ehrliche Antwort. Ja, Dächer zuerst. Nur reichen sie nicht, sie sind nicht überall wirtschaftlich und sie können nur eines: Strom machen. Ein Dach über einem Weg macht Strom und schützt die Leute darunter.
Dazu kommt, dass vierzig kleine Dachanlagen teurer sind pro Kilowattstunde als eine solche grössere Anlage. Darin liegt zum Beispiel der Reiz bei der Wiese am Hang. Eine Anlage für ein ganzes Quartier, deutlich wirtschaftlicher als vierzig einzelne, alle gewinnen.
Diese Wiese brachte ebenfalls viel Rückmeldung, überwiegend zustimmend. Auffällig war, worüber sich die Leute ärgerten. Nicht über die Anlage, sondern über das Verfahren. Einzelne sahen trotzdem einen Eingriff in die Landschaft und forderten auch hier die Dächer zuerst.
Bei der Landstrasse ging es in dieselbe Richtung wie beim Radweg, nur leiser. Das Thema erreichte weniger Aufmerksamkeit. Beim Pausenplatz kam ebenfalls wenig zurück. Aus wenig Reichweite lässt sich wenig ablesen, ausser dass ich mit den beiden Posts ein neues Format probiert habe, das nicht funktioniert hat.
Das Muster dahinter: Widerstand entsteht, wo Leute wohnen oder hingehen, um sich zu erholen. Nicht da, wo eine Fläche ohnehin zweckmässig ist und auch nicht in der Pampa. Wo ein Verfahren absurd wirkt, richtet sich der Ärger gegen das Verfahren, nicht gegen die Anlage.
Für die Gemeinde ist das die brauchbarste Erkenntnis der Serie. Wer so etwas plant, fängt beim Parkplatz an, beim Werkhof, beim Sportplatz. Das Naherholungsgebiet kommt zuletzt, und dann mit einer Diskussion davor.
Nicht an der Technik. Bei keiner der acht Ideen war die Frage, ob man das bauen kann.
Bei der Wiese am Hang scheitern wir an uns selbst. Landwirtschaftszone, Landschaftsschongebiet, Fruchtfolgefläche. Regeln sind Regeln, verstehe ich.
Wer weiter will, braucht einen Vorteilsnachweis. Der kostet Geld, und bezahlt wird, bevor man weiss, ob man bauen darf. Solche Flächen gibt es in jeder Gemeinde. Trotzdem muss jede einzeln beweisen, was woanders schon bewiesen wurde.
Diese Idee geht darum über diese vier Gemeinden hinaus. Einmal sauber klären, was auf welcher Art Land geht. Nicht jedem Einzelnen aufbürden. Dafür braucht es Kanton oder Bund.
Die Gemeinden haben die Ideen aufgenommen und besprechen sie am Massnahmenworkshop. Ob etwas daraus wird, entscheiden sie.
Drei Dinge wären unabhängig davon sinnvoll, und sie kosten fast nichts.
Die eigenen Flächen einmal durchgehen, nicht nur die Dächer. Die Liste ist länger als gedacht.
Dort anfangen, wo ein Abnehmer in der Nähe ist. Kläranlage, Werkhof, Gewerbe.
Und die Leute früh fragen. Die Diskussionen zu diesen acht Ideen haben gezeigt, dass sie eine Meinung haben. Manchmal auch differenziert. Wer vorher hört, baut nachher schneller.
Solche Flächen gibt es in jeder Gemeinde in der Schweiz, nicht nur in diesen vier.
Willst du eine der Ideen weiterdenken, lass es mich wissen. Und wenn du eine bessere Idee hast: her damit.