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Die versteckte Automobil-Oase von Aarberg.

Ein Untergeschoss voller Geschichten, die niemand kennt. Zwei Brüder, drei Söhne, ein Autohotel und die Frage, warum besondere Autos einen besonderen Ort brauchen.

Aarberg, Untergeschoss

Dann stand ich im Untergeschoss von Weibels und sah ihn.

Ein schwarzer Ferrari F355. Handgeschaltet. GTS, bei der sich das Dach öffnen lässt, ohne die schöne Form zu zerstören. Irgendwo zwischen Cabrio und Coupé, wie ein Targa, mit direkter Audio-Verbindung zum Orchester im Heck.

Nicht das wertvollste Auto im Raum. Aber eines das ich aus meinem Kinderzimmer kannte.

Von aussen ein Garagenbetrieb am Rande des Altstädtchens Aarberg. Von innen eine Welt, die man nicht erwartet. 64 Stellplätze auf schönem Steinboden. Zugang per Badge und Autolift. Privatsphäre. Check-Out, wenn der Besitzer den Gast ausführt.

Das Wort Lagerung passt nicht. Wer sein Auto hierher bringt, gibt es in den Urlaub. Bei Menschen mit derselben Leidenschaft und dem handwerklichen Können, solche Fahrzeuge zu betreuen.

Ein Autohotel. Versteckt im idyllischen Aarberg. Kaum jemand kennt es.

Warum ich hier stehe

Als Kind hingen Ferrari-Poster an meiner Zimmerwand. Der F50, rot und unerreichbar. Später wusch ich in den Herbstferien Autos bei der AMAG in Biel, um 911er zu sehen. Arbeitete für Porsche am Autosalon und als Praktikant bei Porsche Schweiz.

Dann kam der Tesla Roadster und alles änderte sich. Mit jedem elektrisch gefahrenen Kilometer verloren neue Verbrenner-Sportwagen ihren Reiz. Nicht weil sie schlechter wären. Sondern weil sie den Kontrast zum Alltag nicht mehr liefern.

Ich hatte einen Aston Martin. Peak-Design aus der Gaydon-Ära mit Kaltstart-Gebrüll. Eventuell hatte eine Sicherung den Weg nach draussen gefunden, die für die Klappensteuerung zuständig war. Trotzdem fuhr ich ihn immer weniger. Er stand. Bis ich ihn verkaufte.

Die neusten Sportwagen sind technisch beeindruckend. Doch sie sind für den Kontrast zu gut und alltagstauglich geworden.

Mit einem 996, einem Ferrari 355 oder 360 ist das Erlebnis anders. Beschleunigen und Soundkulisse, ohne gleich Regeln zu brechen. Diese Autos liefern den Kontrast, den ich bei den neusten Sportwagen nicht mehr finde.

Und genau solche Autos stehen hier unten.

Das Problem mit besonderen Autos

Besondere Autos sind für besondere Momente und die Flucht aus dem Alltag.

Ein Auto, das selten bewegt wird, braucht Aufmerksamkeit. Batterie, Reifendruck, Öl. Wenn der Moment kommt, will man fahren. Einsteigen und los ohne hoffen zu müssen, dass er funktioniert.

Wer sein besonderes Auto in der eigenen Garage stehen hat, kennt dieses Gefühl.

Das Schnittzeichnungen-Buch

Urs Weibel zeigt die technische Zeichnung des Lohner Porsche von 1901

Urs Weibel schlägt ein einmaliges Buch auf. Schnittzeichnungen, von Hand gemacht, kein CAD. Ein Geschenk und es gibt es nicht zu kaufen.

Die Geschichte dahinter: Ernst Piëch, Enkel von Ferdinand Porsche, wollte in seinem Museum in Salzburg jedes Auto versammeln, das auf die Porsche-Familie zurückgeht. Ganz vorne im Buch der vollelektrische Lohner-Porsche von 1901. Am Ende der VW Käfer von 1939. Alle stehen in Salzburg.

Nur einer fehlte: der Käfer. Also kam Gerhard Franke nach Aarberg, skizzierte auf Basis von Urs' Käfer, notierte jedes Detail. Dann ging es nach Zürich ins Fotolabor: moderne Aufnahmen der Originale, fast als wären es Neuwagen.

Franke zeichnet nicht am Computer. Alte Schule, Airbrush, doppelte Grösse, in seinem Atelier in Cannes. Einige seiner Bilder von VW, Audi und Porsche bekam Urs zum Buch dazu. Sie hängen heute in den Gängen der Büros in Aarberg.

Für den Aarberger Käfer und die Geschichte dazu bekam Urs das Buch geschenkt. Ein Einzelstück und eine von vielen einzigartigen Geschichten, die es nur in der Aarberger Oase gibt.

Die Bullis

Urs Weibel vor den beiden bunten klassischen VW-Bussen

Urs hat zwei VW-Busse im Autohotel. Weniger Investments oder Spekulationsobjekte und viel mehr persönliche Geschichten, die an die Fahrzeuge geknüpft sind.

Urs Weibel vor seinem sonnenblumengelben VW Camper

Daneben ein sonnenblumengelber Camper mit besonderer Historie, den er frisch in die Sammlung aufgenommen hat.

Für Urs sind Autos sind keine Objekte. Sie sind Geschichten auf Rädern. Dieses Untergeschoss ist die Heimat unzähliger automobile Schätze im Autohotel und in der Sammlung der Familie. Für Weibels mag das Alltag sein, doch für alle anderen ist es eine automobile Oase.

Der Schrauber

Andreas Weibel ist mehr der Schrauber von den beiden Brüdern. Er liebt es, klassische Fahrzeuge zu zerlegen und besser wieder zusammenzubauen. Eine besondere Leidenschaft hat er für den elektrischen Umbau klassischer Volkswagen Bulli Fahrzeuge.

Andreas Weibel vor dem elektrisch umgebauten Range Rover Defender, den er bei der Zulassung in der Schweiz begleitet hat.

Der Defender neben uns ist elektrisch umgebaut. In der Schweiz zulassungsfähig gemacht. Das sagt er so einfach, doch in der Realität stecken Monate und viel Einsatz hinter diesem Akt.

Andreas Weibel und sein Golf 1 GTI

Daneben ein spezieller Golf 1 GTI, den Andreas kürzlich zur Sammlung hinzugefügt hat.

Der elektrisch umgebaute Defender und der originale Golf 1 GTI. Kein Widerspruch. Dieselbe Leidenschaft, unterschiedliche Generationen.

Selbst Hand anlegen

Urs Weibel zeigt die Waschecke des Autohotels. Daneben gibt es noch einen Fahrzeuglift für die Hotelgäste.

Wer sein Auto selbst pflegen will, kann das hier tun. Waschecke und Hebebühne stehen den Gästen zur Verfügung.

Ein kleines Detail, das viel über diesen besonderen Ort verrät: Du bist kein Kunde. Du bist Gast. Und wenn du selbst schrauben willst, bitte.

Zwei Welten, ein Dach

Ein Selfie mit Andreas und Urs Weibel im Autohotel, umgeben von besonderen Hotelgästen auf vier Rädern.

Urs und Andreas kenne ich aus der AMAG-Zeit. Seither treffen wir uns immer wieder. Gespräche über den Automarkt, über Elektromobilität und über die Autos, die uns bewegen. Gespräche zwischen Menschen, die Autos nicht nur als Transportmittel sehen.

Was mich an Weibels beeindruckt: Sie leben die Veränderung und verbinden Vergangenheit und Zukunft.

Oben: Verkauf und Werkstatt für moderne Autos. Immer mehr elektrisch und sie gehen in der Region seit Jahren für die Elektromobilität voran.

Unten: Besondere Autos. Eigene Projekte und Sammelobjekte sowie Automobile Gäste im Hotel. Das Museum. Und Umbauten klassischer Fahrzeuge.

Im Untergeschoss von autoweibel mit den beiden Generationen der Weibel Familie.

Sie spielen nicht Elektro gegen Verbrenner aus. Sie verbinden Welten.

Wie der Markt das Besondere bestätigt

Der Ferrari F50. Das Auto meines Kinderzimmers. Bis 2008 unter 500'000 Franken. Heute 8 bis 9 Millionen.

Kein Einzelfall. Murciélago, Carrera GT, F50, dasselbe Muster. Preise für spezielle Sportwagen explodierten ab etwa 2020. Die Verbreitung der Elektromobilität, staatliche Vorgaben, die begehrenswerte Sportwagen verunmöglichen, Gelddruckpresse durch die Pandemie. Es gibt viele Gründe dafür.

Besonders Handschaltung explodiert im Wert. Beim Murciélago gab es beide Varianten. Die Handschaltung ist eine andere Preisklasse.

Bei modernen Sportwagen hat man schlicht zu wenig zu tun. Es fehlt das Klicken beim Schaltvorgang und das Grinsen, weil man das Timing selbst getroffen hat. Alles, was speziell ist, was eine Geschichte hat, was das Letzte seiner Art wird zum alternativen Investment. Weil die Hersteller sie so nicht mehr bauen dürfen.

Das Elektroauto hat diesen Prozess beschleunigt. Wer täglich elektrisch fährt und ein Herz für das Automobil hat, will am Wochenende kein besseres Alltagsauto. Er will etwas, das einen harten Kontrast bringt.

Die letzten Autos, die das noch liefern, werden zum Investment mit Fahrspass-Dividende. Und genau diese Autos brauchen einen Ort wie Aarberg.

Warum ich kein Auto hier habe

Ich habe im Moment kein Auto, das ins Autohotel gehört.

Die Autos, die ich brauche, stehen bei mir und werden täglich genutzt. Aber ich verstehe genau, wofür dieser Ort da ist. Und wenn ich mir wieder ein Spassfahrzeug zulege, also ein Investment mit Fahrspass-Dividende, dann wird das Autohotel die Antwort.

Vielleicht ist das ehrlicher als jede Werbung.

Für den Alltag das Beste. Für den Moment das Besondere.

Die Veränderung beschleunigt sich nochmal seit diesem Frühjahr. Das E-Auto übernimmt den Alltag und genau dafür ist es gemacht. Spezielle Autos werden gleichzeitig seltener, wertvoller und begehrter.

Sie brauchen einen Ort, der ihnen gerecht wird. Eine versteckte Oase, betrieben von Menschen die Autos nicht nur reparieren, sondern verstehen. Und wo Menschen zusammenkommen, die den Kontrast vom Alltagsauto lieben.

Aarberg. Untergeschoss. Wer es einmal gesehen hat, vergisst es nicht.

Samuel Schneider denkt und baut an der Schnittstelle von Energie, Mobilität und Kommunikation. Solar Ports aus Holz, Consulting für Energie und Automobil, Magazin für das, was er sieht und nicht für sich behalten kann.

MAGAZIN

WAS ICH SEHE, DENKE UND NICHT FÜR MICH BEHALTEN KANN.